Wie die Entdeckung der Musik die Seele heilen kann…

Ich war etwa 15 Jahre alt als ich durch einen guten Freund in Berührung mit einer afrikanischen Doumbek gekommen bin. Dieses Instrument bestand aus Ton und war mit grünem Lack in einem Zick-Zack-Muster bemalt, sowie auf der Schlagseite mit einer Fischhaut bespannt. Wir übten erste Rhythmen zu einer unserer Lieblingsband – in diesem Fall war es Massive Attack. Die Tiefe dieser Musik zu entdecken und selbst ein Teil davon zu werden und immer tiefer darin einzutauchen, das war unser Ergeben im Streben nach Bewusstseinsveränderung.

Also übte ich von da an regelmäßig und immer wieder Anschlagtechniken auf unterschiedlichen Trommeltypen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Sicherlich hatte ich zwischendurch immer wieder mehrere Monate bis hin zu einem Jahr Pausen von diesem bezaubernden Hobby. Transformierend und bezaubernd ist es allerdings immer geblieben und erst jetzt im Jahr 2019 hatte ich die Faxen dicke und gründete meine eigene Trommelgruppe.

Einige Jahre vorher ahnte ich zwar von einer heilenden Wirkung der Trommel-Rhythmen, aber ich hatte nicht den Mut, es soweit in mein Leben zu integrieren dass es ein wesentlicherer Bestandteil hätte werden können…. Damals!

Vorsicht: gute Laune ist ansteckend! Oder aber „good vibrations may merge elements“. Es steckt einfach so viel Wahrheit und Gutes in Trommelrhythmen und natürlich in Musik generell. Es hat neben der physischen Wirkung auf den Empfänger sehr viel mit der Kontemplation des Entsenders zu tun. Wann klingt die Musik echt? Und wann fühlt es sich echt an? Gibt es die gemeinsamen Schnittpunkte zwischen dem Sender und dem Empfänger? Entschuldigung, ich spreche noch immer vom Musiker und seinem Zuhörer. Auf welcher emotionalen Basis spielt sich das Kunststück ab? Kann der Zuhörer dem Musiker folgen und noch vor dem Verfolgen stellt sich die Frage, ob der Zuhörer gar bewusst in die Position des potenziellen Empfängers geraten, also empfangsbereit ist, mit möglichst vielen Sinnen? Einen in Eile hastenden Passanten mit einem ruhigen Trommelspiel ansprechen zu wollen kann zum Beispiel nur ein netter Versuch bleiben.

Wohingegen das passende Zusammenspiel zwischen dem Künstler und seinem Publikum (Sender und Empfänger) das Bühnenstück in ungeahnte Höhen treiben kann, da beide Seiten gewisse Regeln der Kommunikation befolgten, wenn auch unbeabsichtigt. Kommunikation findet immer statt. Auch wenn Stille herrscht wird kommuniziert. Gerade in Phasen der Ruhe können wichtige Signale übertragen werden. Die Spannung und der Spannungsbogen kann sich aber nur bei Vorhandensein beider Potenziale Ruhe und Kraft bzw. der Lautstärke erbauen. Man spricht hier auch von der Seele und Authentizität einer Kunst.

Ich glaube dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Zugang und Leidensweg (Leidenschaft, Leidensfähigkeit zu schaffen) zur Musik und dadurch zu sich selbst finden kann. Dies zu entdecken und zu praktizieren zähle ich zu einem der größten Werte und Ziele im Leben überhaupt. Es wirkt reinigend, kathartisch und klärt den Geist. Leider geht es in deutschen Schulen zu wenig um den individuellen Zugang zur Musik, als viel mehr um die auferlegten Wissenshürden, aber das ist ein anderes Thema.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.